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Baukunde - Das Brandverhalten vo

 Baukunde - Das Brandverhalten von Bauteilen -
Brand und Einsturzgefahren eines Einsatzobjektes beurteilen

Brand und Einsturzgefahren eines Einsatzobjektes beurteilen zu können, sind von größter Wichtigkeit für die Einsatztaktik von Feuerwehren. Die Angriffsart wird vielfach vom Brandverhalten der Baukonstruktion bestimmt. Um eine Entscheidung zu treffen, ob ein Innenangriff noch möglich ist oder nicht, ist es erforderlich, gewisse Kenntnisse über das Brand und Tragverhalten gewisser Baustoffe zu haben.
Im nun Folgenden soll ein wenig Aufklärung darüber gegeben werden, was eigentlich Bauteile sind, wie sie sich verhalten und was an der Einsatzstelle passieren kann. Darüber hinaus wird der statische und der bauliche Brandschutz erläutert und Informationen darüber gegeben, wer mir bei Fragen helfen kann.

Was sind eigentlich Bauteile und wie funktionieren sie ?


Bauteile sind Teile, Elemente und Komponenten aus verschiedensten Stoffen hergestellt. Aus ihnen setzt sich ein Gesamtbauwerk zusammen und in diesem übernehmen diese Bauteile bestimmte Funktionen.

Man unterteilt diese Bauteile nach ihren verschiedensten Funktionen :

tragende Bauteile Säulen - Balken - Unterzüge
raumabschließende Bauteile Wände - Decken - Fußböden
aussteifende Bauteile Streben - Windverbände - Windrispen

Hierzu sei angemerkt, dass Bauteile mehrere Funktionen gleichzeitig und gleichwertig übernehmen können. Ein Beispiel sei hier bei Massivbauten genannt : Lastabtragung, Raumabschluss und Aussteifung durch Massivwände.

Versagen von Bauteilen - Bruch und Einsturz

Aufgrund einer Brandausbreitung kann es zum Versagen von Bauteilen kommen und zwar in zweierlei Hinsicht :
- wird ein raumabschließendes Bauteil zerstört, folgt automatisch die Brandausbreitung
- erfüllt ein tragendes oder aussteifendes Bauteil seine Funktion nicht mehr, folgt ein Einsturz und unter Umständen eine Brandausbreitung.

Die Bemessung von Stahlbetonbauteilen erfolgt vom Statiker allein aufgrund statischer Erfordernisse so, dass sie eine Feuerbeständigkeit von F90 bzw. F120 (F90 bzw. F120 sind Feuerwiderstandsklassen einzelner Bauteile mit Angabe in Minuten ) aufweisen. Ein Bauteilversagen tritt somit erst nach extremer Befeuerung mit entsprechend hohen Temperaturen auf.
Vorsicht ist jedoch bei Bauteilen aus Spannbeton geboten. Sie enthalten eine vorgespannte Stabstahlbewehrung die höchst temperaturanfällig ist.
Besonders bei Bauten die vor 1960 erstellt wurden ist dieses der Fall, da es noch keine entsprechende DIN zum statisch konstruktiven Brandschutz gab, die gewisse Vorgaben, wie z.B. einhalten ausreichender Betondeckung der Bewehrung, machte. Heute sind entsprechende Vorgaben in der DIN 4102 für den statisch konstruktiven Brandschutz gemacht.

EINSTÜRZE eine HAUPTGEFAHR

Einstürze erfolgen oft schlagartig ohne Anzeichen, d.h. erste Anzeichen sind evtl. durch Rauch nicht zu erkennen und durch Brandgeräusche nicht zu hören

URSACHEN

Tragfähigkeitsverlust von Bauteilen

Längenänderungen, Verformungen, Überlastungen von Bauteilen

durch  durch
Querschnittsschwächung aufgrund von Abbrand (Holz) ungleichmäßige Wärmedämmung
Festigkeitsverlust durch Erwärmung (Stahl, Bewehrung) Stahlträger (drücken Wände und Auflager auseinander)
Vorsicht : Beim Abkühlen zieht der Träger sich wieder zusammen und kann vom Auflager abrutschen
Abplatzen, Zerspringen (Natursteine) Betondecken und Trägern (Folgen wie zuvor beim Stahlträger)
Schwächung von Knotenpunkten (Holz- Stahltragwerke) Mauern und Schornsteine (biegen sich zur Feuergewandten Seite und stürzen ein)
Gewichtsverlagerung (einseitiger Abbrand bei Holz) Umdrücken und Einreißen durch andere versagende Bauteile
Lockern von Verankerungen und Querverbänden durch Abbrand, Erschütterungen (Einsturz von Dachaufbauten, Abfallen von Balkonen, Gesimsen, Erkern usw.)  
Überlastung von Bauteilen durch Trümmer eingestürzter anderer Bauteile, sich ansammelndes Löschwasser und durch wasseraufsaugendes Lagergut, Wärmedämmungen  


Zusätzliche wichtige Hinweise zum Einsturzverhalten von Bauteilen :

Bei ungeschützten Stahlkonstruktionen kann die kritische Temperatur von 500 Grad Celsius bereits 20 Minuten nach Brand- entstehung erreicht werden. Besonders kritisch sind Stahlverbindungsbauteile (Nägel, Nagelbleche) bei Holzkonstruktionen (z.B. Nagelplattenbindern), da die Wärme in den Holzquerschnitt geleitet wird und der Kraftschluss zwischen Verbindungsteil und Holz verloren geht.

Beurteilungskriterien / Einflussgrößen auf den Feuerwiderstand von Bauteilen

Querschnittsform : Die Schädigung bzw. Schwächung eines Bauteiles hängst stark davon ab, wie schnell kritische Temperaturen im Bauteilkern erreicht werden. Einflussgrößen dafür sind die Wärmeleitfähigkeiten des Baustoffes (insbesondere bei Stahl!) und das Verhältnis der Oberfläche eines Bauteils zur Querschnittsfläche. Besondere Vorsicht ist bei filigranen, feingliederigen Bauteilen wie z.B. Fachwerbindern, Raumfachwerken und T-Profilen geboten. Kompakte Vollquerschnitte (Rechteck, Quadrat- oder Rundform) sind weniger anfällig.

Schlankheit : Darunter versteht man das Verhältnis von Bauteilhöhe (h) zu Bauteildicke (d). Je schlanker ein Bauteil, desto größer die Gefahr des Kippens von Wänden und das Verdrehen von Dachbindern

Brandbeanspruchung : Die ist wesentlicher Einflussfaktor auf den Feuerwiderstand von Bauteilen gleicher Abmessung und Beschaffenheit. Je mehr Seiten einer direkten Brandeinwirkung ausgesetzt sind, desto geringer der Feuerwiderstand. Am ungünstigsten verhalten sich da frei im Raum stehende Stützen, die allseitig einer Brandeinwirkung ausgesetzt sind, wobei z.B. Decken im Normalfall nur einer einseitige Brandbeanspruchung erfahren.

Belastung : Je höher die maximale statische Belastung im Verhältnis zur maximalen rechnerischen Belastung, desto geringer ist die Sicherheitsreserve und damit der Feuerwiderstand von lastabtragenden Bauteilen.

Verbindung von Anschlüssen : Im gesamten statischen System spielt nicht allein der Feuerwiderstand einzelner Bauteile ein Rolle, sondern auch deren Verbindungen untereinander. Ein guter Feuerwiderstand lässt sich leicht durch mangelhaft geschützte Verbindungen unwirksam machen.
Bei Holzverbindungen sind dies zimmermannsmäßige Verbindungsarten ( Verzapfungen und Verblattungen ) als vorteilhaft erwiesen.
Nagel- und Nagelplattenverbindungen sind dagegen sehr ungünstig und können sehr leicht versagen.
Bei Stahlkonstruktionen haben sich Schweißverbindungen am besten bewährt, gefolgt von Nietverbindungen und Verschraubungen.
Bei der Fertigteilbau mit Stahlbeton erweisen sich die Auflagerbereiche/Konsolen als kritische Punkte. Bei zu knappen Auflagern können Binder von diesen abrutschen.
Die Ortbetonbauart ist hinsichtlich der Verbindungspunkte völlig unkritisch anzusehen, sofern die Konstruktion aus einem Guss erfolgte.

Statisches System : Werden bei einer Konstruktion die Knotenpunkte biegesteif ausgeführt (=statisch bestimmtes System), so können die auf ein Bauteil einwirkenden Belastungen teilweise auf angrenzende Bauteile übertragen werden. Dieses stellt eine zusätzliche Sicherheitsreserve dar, die sich im Brandfall positiv auf den Feuerwiderstand auswirkt. Als biegesteif sind u.a.Schweißverbindungen im Stahlbau oder Ortbetonverbindungen anzusehen.

Im Vorangegangenen wurden hauptsächlich die Baustoffe Stahl, Stahlbeton und Holz betrachtet. Sicher ist jedem bewusst, dass es eine Vielzahl von weiteren Baustoffen gibt, deren Anzahl sich nahezu täglich erhöht. Um diese alle hier aufzuzählen bzw. aufzulisten und genaue Informationen über ihre Eigenschaften und ihr Verhalten zu geben, würde den Rahmen sprengen. Lediglich wollen wir hier darauf hinweisen, dass der Grad der giftigen Dämpfe, der bei Verbrennung bestehender und neuartiger Baustoffe entsteht sich in den letzten Jahren explosiv erhöht hat. Somit ist bei einem Brand in baulicher Hinsicht nicht nur mit Brandausbreitung und Einsturz zu rechnen, sondern auch mit Atemgiften.
Für das Feuerlöschwesen kann man auch im baulichen Bereich sehr schön die Matrix anwenden, die ein Feuerwehrmann schon in frühester Ausbildung erlernt;
A = Ausbreitung A = Angst A = Atemgifte A = Atomar (sicher bedingt)
C =Chemisch
E = Einsturz E = Elektrizität E = Erkrankung E = Explosivität

 

 
Notwendigkeit des Branschutzes

Die Brennbarkeit eines Baustoffes ist von drei Faktoren abhängig :

- dem Vorhandensein von Sauerstoff    - der Entzündungstemperatur    - der Brennbarkeit des betrachteten Stoffes

Verhindert man durch eine Schutzschicht den Zugang von Sauerstoff an eine Holzstütze, so kann diese nur schwer entflammt werden. Auch die Verkohlung der Außenschichten der Stütze unterbinden die weitere Sauerstoffzufuhr. 
Die Entzündungstemperatur ist ein weiterer wichtiger Faktor. So kann ein Baustoff sich auch ohne den direkten Kontakt zu einer offenen Flamme entzünden. Die Brandübertragung durch Bauteile hindurch geschieht oft auf diese Art und Weise. So liegt die Entzündungstemperatur von Papier bei 231 Grad Celsius (Tapeten entzünden sich!), die von Holz bei 200 bis 300 Grad Celsius. Durch Löschen brennender Körper und durch Befeuchten z.B.
benachbarter Bauteile versucht man, die Baustoffe und Bauteile unter die Entzündungstemperatur zu bringen und zu halten.


Brandentstehung und beeinflussende Faktoren


Der gefährdete Stoff muss eine Affinität zu Sauerstoff haben, d.h. er hat die Neigung, sich mit Sauerstoff zu verbinden ,eine Oxidation einzugehen. Holz hat diese Neigung, Beton nicht. Bei Beton stehen keine Moleküle zur Verfügung, die noch nicht mit Sauerstoffatomen gesättigt sind. 
Werden nicht brennbare Baustoffe oder Bauteile hohen Temperaturen, wie sie bei Bränden entstehen, ausgesetzt, so ist ihr Verhalten sehr unterschiedlich. Bauteile aus Stahl verlieren sehr schnell ihre Tragfähigkeit, Natursteine zerbrechen, Gipsputze reißen, Glas zerbirst.

Konstruktionen aus brennbaren Baustoffen weisen ggf. ein günstigeres Brand- verhalten auf, als Konstruktionen aus nichtbrennbaren Baustoffen. Nicht geschützte Stahlkonstruktionen verlieren bei schwacher Rotglut bereits 50% ihrer Tragfähigkeit und können so kaum als F30 Bauteil eingeordnet werden.
Holzbauteile können F30 relativ leicht erreichen, das sie nur langsam ihre Trag- fähigkeit verlieren. Die Verkohlung an der Oberfläche ruft durch ihre Dämmwirkung einen natürlichen Brandschutz hervor.
Um Schäden und Gefahren für das Leben und die Gesundheit des Menschen durch Bränden in Gebäuden zu verhindern, wurden entsprechende Vorschriften zum Brandschutz erlassen. Sie sind in den Landesbauordnungen sowie den
zugeordneten Verordnungen und Erlassen enthalten. Hierzu gehören Beispiels- weise die Hochhausverordnung, die Garagenverordnung und viele Andere. Der Brandschutz wird hinsichtlich der Anforderungen und deren Nachweise, sowie der Zuständigkeiten der am Bau beteiligten Fachplaner auch in den statisch konstruktiven, den baulichen und den abwehrenden Brandschutz unterschieden.


Der statisch konstruktive Brandschutz umfasst den Nachweis der Einhaltung von Brandschutzanforderungen an statisch-konstruktiv relevante Bauteile. Er wird meist vom Tragwerksplaner, dem Statiker, aufgestellt und vom Staatlich anerkannten Sachverständigen für die Prüfung der Standsicherheit geprüft. Es wird nachgewiesen, dass die Anforderungen gemäß DIN 4102, Teil4 eingehalten sind.
Der bauliche Brandschutz umfasst die Brandschutzkonzeption eines Gebäudes, die vom Entwurfsverfasser oder einem Sachverständigen erarbeitet wird und vom staatlich anerkannten Sachverständigen für die Prüfung des Brandschutzes oder von der zuständigen Bauaufsichtsbehörde geprüft wird. Konzipiert werden insbesondere die Flucht- und Rettungswege, die Einhaltung des Abschottungsprinzips durch die Bildung von Brandabschnitten, die Feuerwiderstandklassen von Bauteilen bzw. die materiellen Anforderungen an den baulichen Brandschutz der jeweiligen Landesbauordnungen.
Der abwehrende Brandschutz

Das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen bildet die Grundlage des Brandschutzes. Es wird durch Feuerwiderstandsklassen gekennzeichnet.

Diese ist die Mindestdauer in Minuten, während der ein Bauteil bestimmte, in der DIN 4102 fest- gelegte Forderungen erfüllt. Dazu gehören, Verhinderung des Feuerdurchganges, Standfestigkeit und Erhaltung der Tragfähigkeit, geringe Durchbiegungsgeschwindigkeit und langsame Erwärmung der feuerabgekehrten Seite. Die Feuerwiderstandsklassen sind so definiert, dass in dieser Zeit eine Flucht aus dem Gebäude möglich ist und zudem die Rettungsmaßnahmen durchgeführt werden können. Die weitere Gebrauchsfähigkeit der betrachteten Bauteile ist dabei ohne jeglichen Belang.

Die zur Vorbeugung einer Brandentstehung wichtigen Anforderungen an die Brennbarkeit der Baustoffe verbietet generell den Einsatz leicht entflammbarer Baustoffe (B3). Die Mindestanforderung ist normalentflammbar (B2). Bei besonderer Nutzung (z.B. Krankenhäuser, Versammlungsstätten, Hochhäuser etc.) werden in den Spezialvorschriften schwerentflammbare Baustoffe (B3) gefordert. In Rettungswegen sind allgemein nur nichtbrennbare Baustoffe (A1 oder A2) zulässig.g.
Der Nachweis bzw. die Eingruppierung eines Baustoffes in eine Feuerwiderstandklasse erfolgt durch ein Prüfzeichen gemäß DIN 4102. Dieses Prüfzeichen muss gut sichtbar am Baustoff bzw. an der Verpackung angebracht sein. Weitere Möglichkeiten der Zulassung eines Baustoffes regeln die Landesbauordnungen.

Die zur Verhinderung der Brandausweitung im Gebäude oder des Einsturzes von Gebäudeteilen wichtigen Anforderungen an den Feuerwiderstand von Bauteilen lassen sich gewisse "Sicherheitsniveaus" zuordnen. Diese werden entsprechend der Höhe und der Grundfläche des Gebäudes für die einzelnen Bauteile abgestuft festgelegt, was nun folgende Grafiken zeigen :

 


Die bei der Planung festgelegten baulichen Brandabschnitte bieten die Grundlage, ausbrechende Feuer lokal zu begrenzen. Neben Vorkehrungen in Fluren sind Brandschutzklappen in Lüftungsanlagen dazu bestens geeignet, die Ausbreitung zu verhindern. 
Dadurch wird folgendes erreicht :

Verhindern der Ausbreitung von Rauch in unbelastete Bereiche Ermöglichen gezielter Entrauchungsmaßnahmen durch die Feuerwehren Freigeben speziell vorgesehener Entrauchungskanäle durch mechanische Öffnung der Brandschutzklappen.

Die Größe der Brandabschnitte wird wiederum in den Landesbauordnungen festgelegt. In der Regel muss alle 30m ein Brand- abschnitt geschlossen werden. Nutzungseinheiten werden ebenfalls häufig als Brandabschnitt angesehen. Diese Brandabschnitte sind untereinander durch Brandwände, einer Wand ohne Öffnungen in F90-A ausgeführt, zu trennen. Die Aussage ohne Öffnungen kann relativiert werden, wenn diese Öffnungen den Charakter der Brandwand nicht stören, d.h. der Einbau von selbstschließenden T90 bzw. T60 Türen ist zulässig. Diese dürfen aber nicht dauerhaft durch Gegenstände oder Vorrichtungen offengehalten werden.
Der Charakter der geschlossenen Brandwand muss auf jeden Fall immer gewahrt werden.

Hier ein Grundrissschema für den Wohnungsbau (links) sowie den Industriebau (rechts)


Informationen zu dem Vorgenannten geben wir Ihnen als Feuerwehr Nordhorn sehr sehr gern. Sie können sich jedoch auch jederzeit an Ihre Bauaufsichtsbehörde oder entsprechende Fachbüros wenden, welches im einzelnen folgende sind :

Ingenieurbüros für Tragwerksplanung und Bauphysik
Planungsbüros für den baulichen Brandschutz
Sachverständigenbüros für den allgemeinen Brandschutz
 

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