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In dem nun folgenden Text möchten wir
Ihnen einmal, möglichst real schildern, wie ein Feuerwehrmann unserer
Feuerwehr einen wirklich stattgefundenen Einsatz erlebt. Sicher nur ein
Schnipsel aus dem breiten Spektrum welches wir abarbeiten, aber sicherlich
genug, um Ihnen mal zu zeigen, was bei uns und in uns abläuft.
"Es ist der Vormittag des ersten
Weihnachtstages 2005 und ich bin zusammen mit meiner Frau gerade dabei,
das Mittagessen für die gesamte Familie, die in Kürze zu Besuch
erscheint, vorzubereiten. Gegen halb Elf löst mein Meldeempfänger aus,
leicht aufgeregt warte ich auf die Durchsage, was passiert ist.
"Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus am Frensdorfer Ring -
Mehrere Personen im Gebäude!" wird vom Disponenten der Leitstelle
mitgeteilt. Eine Meldung, bei der mir klar wird, dass es kein
Routineeinsatz ist, sondern bei dem es um Menschenleben und daher um
Sekunden geht. Sofort begebe ich mich in mein Auto und mache mich auf den
Weg zum rund 2 Kilometer entfernten Feuerwehrhaus. Unterwegs bekomme ich
über meinen Meldeempfänger mit, wie der Rettungsdienst samt Notarzt
alarmiert wird und der Brandmeister vom Dienst mitteilt, dass er zur
Einsatzstelle unterwegs ist."
Das Feuerwehrhaus in Nordhorn, welches
die Kameraden bei
jedem Alarm zunächst anfahren, sich dann umkleiden und
mit dem Feuerwehrfahrzeug ausrücken.
"Am Feuerwehrhaus angekommen sind die Tore
schon geöffnet und der eine oder andere Kamerad ist auch schon da. Ich
parke mein Fahrzeug und begebe mich umgehend zu meinem Spind, indem meine
Einsatzkleidung hängt. Schnellstmöglich ziehe ich mich um, nehme meinen
Helm und meinen Sicherheitsgurt in die Hände und finde meinen Platz im
TLF16/25, welches nach unserer Alarm- und Ausrückordnung das erste
Fahrzeug ist, welches bei einem Feuer ausrückt. Wir warten noch auf zwei
weitere Kameraden, dann ist das Fahrzeug voll und los geht es. Unterwegs
ziehe ich mich endgültig an und beginne zusammen mit meinem Kollegen, das
Atemschutzgerät anzulegen, nebenbei bekomme ich mit, wie die Alarmstufe
auf B5 erhöht wird und denke oh man, das wird eine schwere Sache. Der
Funkverkehr wird immer belebter, hektischer und dramatischer, weitere
Fahrzeuge rücken aus, wir sind bald da. Der Fahrer berichtet schon von
Rauchschwaden, die er von weitem erkennen kann und tatsächlich, als wir
am Gebäude angekommen sind, quillt dichter Rauch aus dem Gebäude und
Flammen schlagen aus der Wohnung."
Die
Einsatzstelle kurz nach Eintreffen der ersten Kräfte. Dichter Rauch
quillt aus der Wohnung.
Auf dem Bild in der Mitte, das Treppenhaus durch
das wir vorgingen.
"In den oberen Geschossen stehen die
Bewohner der anderen Wohnungen auf den Balkonen, sie können nicht mehr
durch das Treppenhaus flüchten, da es bereits voller Qualm ist. Mein
Kamerad, mit dem ich nun einen Trupp bilde und ich bekommen den Befehl,
uns durch das Treppenhaus in die Wohnung über der brennenden
vorzuarbeiten und die beiden Personen zu suchen und zu retten, die dort
vermisst werden.
Wir rüsten uns mit Funk, Wärmebildkamera, Schlauch,
Feuerwehraxt, Lampe und Fluchthauben aus und gehen durch den Haupteingang
in das Treppenhaus vor. Der Rauch wird immer dichter, schon nach wenigen
Metern ist fast nichts mehr zu erkennen. Direkt auf den Stufen robben wir
uns hoch, unten ist die Sicht bei starkem Rauch am besten da dieser immer
nach oben steigt, es wird heißer und heißer, fast unerträglich. Ohne
unsere Schutzkleidung und den Flammschutzhauben, die wir über unseren
Köpfen tragen, wäre ein weiterkommen unmöglich. Wir
erreichen so langsam das erste Obergeschoss und kommen an der Wohnung
vorbei in der es brennt. Und ja, man merkt es, da ist richtig Feuer drin
ein Knallen und Knistern kommt aus der Wohnung, die Wärmestrahlung wird
immer größer, der Putz im Treppenhaus platzt von den Wänden.

Wir geben
eine erste Lagemeldung an unseren Gruppenführer ab: "Haben erstes
Obergeschoss erreicht - sehen fast nichts - extreme Hitze - Feuer ist noch
nicht durch die Wohnungstür durchgebrochen - gehen jetzt weiter in das
2.Obergeschoss." Wir robben weiter, sehen so gut wie nichts mehr aber
weiter geht es. Schneller als erwartet erreichen wir die beiden Wohnungen,
die sich im 2.Obergeschoss befinden. Wir klopfen und schlagen an die Tür,
in der die beiden Personen vermutet werden - keine Reaktion, ohne lange zu
überlegen brechen wir die Tür auf (Wir bekamen zwischendurch die
Information, dass die Leute noch schlafen könnten, da die Rollos noch
unten sind). Die Rauchentwicklung ist auch hier schon extrem, jedoch nicht
so stark, wie im Treppenhaus, deshalb versuchen wir, so gut es geht, die
Tür hinter uns zu schließen um das Eindringen weiteren Rauches zu
verhindern. Langsam pirschen wir uns voran und durchsuchen Raum für Raum,
finden aber niemanden. Wir werden nervös, fragen uns, wo sind die Leute ?
Der Rauch wird hier jetzt auch dichter und dichter und die Hitze aus der
brennenden Wohnung unter uns wird langsam unerträglich."
Von außen beginnt man mit der
Brandbekämpfung. Steckleitern werden zu den Balkonen im 1. und
2.Obergeschoss in Stellung gebracht
"Um uns einen
schnellen Rückzugsweg zu sichern, teilen wir den Kräften unten mit, eine
Leiter an den Balkon zu stellen, damit wir im Notfall darüber den
Rückzug antreten können. Dies sollte sich in Kürze für uns als sehr
wichtige und nützliche Entscheidung herausstellen. Wir machen mit der
Suche weiter, in den Schränken und unter Betten ( Menschen machen in
Panik die unmöglichsten Dinge ) suchen wir und bekommen dann Gott sei
Dank die Meldung, dass sich die Bewohner der Wohnung unten gemeldet haben
und sich nicht mehr im Haus befinden. Sofort beginnen wir mit dem Rückzug
und stellen an der Wohnungstür fest, dass im Flur die Hitze noch extremer
geworden ist, die Rauchgase sehr komisch aussehen und eine Durchzündung
nicht mehr auszuschließen ist, deshalb gibt es für uns nur noch eines,
zurück auf den Balkon und runter über die Leiter.
Beim Abstieg sehen
wir, dass zwischenzeitlich weitere Trupps über die Drehleiter und den
Balkon mit der Brandbekämpfung begonnen haben. Unten angekommen reißen
wir unsere Masken vom Kopf, gehen zu unserem Fahrzeug und halten erstmal
unsere Köpfe unter einen Wasserstrahl an einem Ausgang am Wassertank.
Nach einer Abkühlung und einem frischen Getränk begeben wir uns dann aus
der erweiterten Gefahrenzone und ruhen uns aus. Zwischenzeitlich ist die
Brandbekämpfung so weit fortgeschritten, dass keine weitere Gefahr mehr
besteht, wenig später ist das Feuer aus und das Gebäude wird umfangreich
belüftet.
In der Zeit in der wir uns zur Wohnung vorgearbeitet hatten,
haben alle anderen Kameraden über die Drehleiter und die Steckleiter die
auf den Balkonen befindlichen Personen in Sicherheit gebracht und dem
Rettungsdienst zur Betreuung übergeben. Insgesamt wurden neun Personen
gerettet. Nachdem das Feuer endgültig gelöscht ist, eine
Abschlussbesprechung durchgeführt wird und eine Brandwache eingeteilt
ist, treten wir den Rückweg zum Feuerwehrhaus an. Dort füllen wir den
Wassertank des Fahrzeuges wieder auf und tauschen das benutzte schmutzige
Gerät gegen sauberes aus - kurzum, machten das Fahrzeug wieder
einsatzbereit. Nach dem Umkleiden trägt man sich zunächst in eine Liste
ein, in der dokumentiert wird, dass man dagewesen ist und auf welchem
Fahrzeug man gesessen hat, anschließend gibt es dann noch ein gemeinsames
Getränk bei dem mit den anderen Kameraden über den Einsatz und andere
Dinge des Alltags geredet wird.
Doch heute bleibt dafür nicht viel Zeit,
denn es ist Weihnachten und der Besuch kommt bald, zudem braucht die Frau
zuhause Unterstützung bei den Vorbereitungen. Somit mach ich mich
schleunigst auf den Weg nach Hause und werde dort von meiner kleinen
Tochter in Empfang genommen. Als ich sie in den Arm nehme, wird mir zum
ersten Mal bewusst, dass es vor wenigen Minuten durchaus Wahrheit hätte
werden können, dass ich diesen Moment nie wieder erleben darf..."
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