Überdruckbelüftung
- Nützliches Einsatzhilfsmittel oder Gefahr?
Die
Überdruckbelüftung gewinnt in der Feuerwehr in den letzten Jahren immer
mehr an Bedeutung. Anfangs, und teilweise auch heute noch, herrschte bei
den Führungskräften und möglichen Einsatzleitern die Angst vor, ein Brand
könnte durch einen Überdrucklüfter angefacht werden und der Schaden würde
dadurch noch viel größer. Oder der Rauch könnte in Räume gedrückt werden
die vorher nicht vom Rauch betroffen waren.
Aus vielen
praktischen Einsatzerfahrungen und Weiterbildungen der Feuerwehrkameraden
weiß man heute, dass dies nicht der Fall ist, und die Überdruckbelüftung
als taktisches Einsatzmittel mehr Vorteile als Nachteile bringt.
Vorteile:
- In
kürzester Zeit bessere Sichtverhältnisse und dadurch schnelleres Auffinden
des Brandherdes
- Schnelle
Absenkung der Raumtemperatur
- Kühlender
Luftzug im Rücken des Angriffstrupps
-
Verminderung des CO² Gehalts in der Luft, dadurch größere Überlebenschance
der Menschen in den nicht vom Feuer betroffenen Räumen
-
Wasserdampf wird vom Angriffstrupp weggeleitet
- Heißer
Brandrauch wird schnell abgeführt und dadurch gezielt einem Flash-Over
vorgebeugt
- Brandrauch
wird bei richtiger Anwendung aus den noch nicht betroffenen Bereichen
ferngehalten, dadurch weniger Rauchschäden
- Der
Einsatzleiter oder Einheitsführer kann im Gebäude seinem Angriffstrupp bis
zur Rauchgrenze folgen.
Als
Nachteile werden meistens angeführt:
- Durch die
Luftzufuhr wird das Feuer und der Schaden vergrößert
Tatsächlich wird das Feuer geringfügig aber unerheblich größer. Die
Luftzufuhr sorgt aber vor allem für eine saubere Verbrennung. Das Feuer
ist besser zu finden und schneller zu löschen. Zwischen dem Zugang zum
Brandraum und dem Feuer herrschen gute Sichtverhältnisse und nur wenig
Hitze. Für den Angriffstrupp also hervorragende Arbeitsbedingungen.
- Der Rauch wird in bis dahin noch nicht betroffene Bereiche gedrückt
Ein durchdrücken des Rauches z.B. durch Schlüssellöcher oder unter Türspalten
hindurch ist mit der Überdruckbelüftung praktisch nicht möglich.
Voraussetzung ist natürlich dass der Einheitsführer und der Angriffstrupp
im Umgang mit der Überdruckbelüftung geschult sind und ständig per Funk in
Verbindung bleiben.
- Der Löschangriff kann nur noch aus einer Richtung erfolgen
Das ist teilweise richtig. Natürlich kann der Angriffstrupp nur über die
Zuluftöffnung das Gebäude oder den Brandraum betreten. Ein Angriff über
die Abluftöffnung darf auf keinen Fall erfolgen solange der oder die
Lüfter in Betrieb sind, da hier die Flammen, der heiße Rauch und ein
eventueller Flash-Over abgeführt werden.
Grundlagen der Überdruckbelüftung
Verschiedene Arten zur Belüftung eines Raumes oder Gebäudes:
1.
Natürliche Belüftung
Hierbei
drückt die Natürliche Windbewegung in den Raum. Durch öffnen von Fenstern
oder Türen wird der Raum belüftet, die Rauchgase entweichen nach außen.
Diese Art der Belüftung dauert natürlich sehr lange und ist schlecht
kontrollierbar. Nur nach der Brandbekämpfung einsetzbar.
2.
Unterdruckbelüftung
Bei der
Unterdruckbelüftung wird die mit Brandrauch verschmutzte Luft aus dem Raum
abgesaugt. Dadurch entsteht im Brandraum ein Unterdruck. Durch eine
Zuluftöffnung (hier Fenster) dringt saubere Luft in den Raum. Der Raum
wird so erfolgreich vom Rauch befreit.
Nachteile: Nur nach der Brandbekämpfung einsetzbar, da Rauch und
Flammen dem Angriffstrupp sonst entgegen kommen würden. Oder, der Zugang
zum Brandraum müsste über die sehr kleine Zuluftöffnung erfolgen.

3. Überdruckbelüftungsverfahren (ÜBV)
Bei der Überdruckbelüftung wird mit einem Hochleistungslüfter Frischluft
in den Brandraum gedrückt. In dem Raum entsteht ein leichter Überdruck der
durch die Abluftöffnung entweicht. Der Brandrauch und die Hitze entweichen
hier sehr schnell. Der Angriffstrupp kann praktisch ungehindert und mit
guter Sicht bis zum Feuer vorgehen.
Wichtig: Durch die
Abluftöffnung darf auf keinen Fall ein Löschangriff erfolgen, da dort auch
Flammen oder ein Flash-Over entweichen würden. Die Abluftöffnung ist von
Außen durch einen Trupp zu beobachten.
Vorteil: Dieses Verfahren kann sowohl vor der Brandbekämpfung als
auch danach eingesetzt werden.

Wichtig ist die richtige Aufstellung des Lüfters und die
Größe der Abluftöffnung.
Der Hochleistungslüfter muss so aufgestellt werden, dass sein Luftkonus
die Zuluftöffnung vollflächig abdeckt. Als Faustregel kann man dabei
verwenden: Diagonale der
Zuluftöffnung = Abstand des Lüfters zum Eingang.

Um zu überprüfen ob der Luftkonus die Zuluftöffnung wirklich vollflächig
umschließt kann man eine Hand (ohne Handschuh) in die obere rechte und
linke Ecke der Tür halten. Spürt man dort den Luftzug ist alles ok. Sollte
es aus baulichen Gründen nicht möglich sein einen ausreichenden Abstand
des Lüfters einzuhalten so kann man mit einfachen Hilfsmitteln (z.B. eine
Platte oder die ausgehängte Tür) die Zuluftöffnung verkleinern.
Die Größe der Abluftöffnung muss in einem bestimmten Verhältnis zur
Zuluftöffnung stehen. Als Ideal hat sich das Verhältnis 1 : 1
herausgestellt. Vernünftige Ergebnisse sind aber auch noch bis 1 :
0,5 oder 1 : 2 möglich.

Man
unterscheidet zwischen offensiver und defensiver Überdruckbelüftung
Offensiv:
Die Überdruckbelüftung wird zusammen mit dem Erstangriff durchgeführt.
Defensiv: Die
Belüftung wird in einer späteren Einsatzphase vorgenommen, wenn der Brand
bereits unter Kontrolle oder gelöscht ist.
Einsatzablauf
einer offensiven Überdruckbelüftung
1.) Der Einsatzleiter
bestimmt die Zuluft- und die Abluftöffnung. Die Abluftöffnung sollte dabei
wenn möglich im Brandraum liegen.
Es gilt das Prinzip Lange
Frischluftführung - Kurze Abluftführung.
Das Gebäude darf auf keinen
Fall über die Abluftöffnung betreten bzw. nicht als Rettungsweg verwendet
werden. Die Abluftöffnung sollte von einem Atemschutztrupp unter
Beobachtung gehalten werden.

2.) Der Lüfter wird in
Stellung gebracht bevor der Angriffstrupp das Gebäude betritt. Jetzt die
Abluftöffnung schaffen, wenn möglich von Außen.
3.) Mit der Belüftung im
Rücken kann der Angriffstrupp jetzt seine Rettungsarbeiten und
Löschmaßnahmen durchführen.

Durch die Abluftöffnung können
Rauch, Hitze aber auch Flammen austreten. Während der Belüftung muss
kontrolliert werden, ob Fassade, Dach oder Nachbargebäude gefährdet
werden.

Niemals Wasser in die
Abluftöffnung spritzen. Verbrühungsgefahr des Angriffstrupps!!!
Auf keinen Fall das Gebäude
durch die Abluftöffnung betreten solange der Lüfter läuft!!!
Sie sehen, die
Überdruckbelüftung kann ein geeignetes Einsatzmittel zur schnelleren und
sicheren Menschenrettung und Brandbekämpfung sein. Es kommt natürlich
immer auf die Einsatzumstände vor Ort an. Ein Allheilmittel ist sie nicht,
aber mit Sicherheit auch keine Gefahr. Richtig angewendet lassen sich mit
ihr größere Schäden vermeiden.
Wer mehr über die vielfältigen
Möglichkeiten der Überdruckbelüftung erfahren und praktisch erlernen will,
dem empfehlen wir einen Lehrgang oder ein Seminar für Überdruckbelüftung
zu besuchen wie sie von vielen Firmen angeboten werden.
Wir z.B. haben unsere
Grundlagen bei einem Seminar der Firma
B.S. Belüftungs-GmbH, angeboten über die
Firma Ziegler erlernt.
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