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Eine Einsatzbeschreibung

Garagenbrand greift auf Wohnhaus über - Großeinsatz in Nordhorn Bei einem Großbrand in Nordhorn wurden am Samstagnachmittag eine Garage und ein angrenzendes Wohnhaus erheblich beschädigt. Zwei Personen kamen mit Verletzungen in ein Krankenhaus. Um 13.43 Uhr wurde die Ortsfeuerwehr Nordhorn am Samstag, den 10. Oktober 2015 mit einem B3-Alarm (Mittelbrand) in den Stadtteil Neuberlin gerufen. Gemeldet war in der Kölner Straße zunächst ein Garagenbrand. Doch schon auf der Anfahrt konnte der Brandmeister vom Dienst (BvD) eine erhebliche Rauchentwicklung ausmachen, so dass er gleich die Ortsfeuerwehr Brandlecht nachalarmierten ließ. Eine gute und richtige Entscheidung, denn als der BvD an der Einsatzstelle ankam, stand die Garage bereits in Vollbrand. Die Flammen hatten bereits auf das Dach und das Innere des Hauses übergegriffen. Die fünf Bewohner des Hauses waren in Sicherheit, zwei von ihnen mussten jedoch mit dem Rettungswagen in die Nordhorn Euregio-Klinik verbracht werden. Ein Bewohner hatte offenbar noch Löschversuche unternommen und sich dabei Brandverletzungen und eine Rauchgasintoxikation zugezogen, eine Frau kamen ebenfalls in die Klinik.

In dem nun folgenden Text möchten wir Ihnen einmal, möglichst real schildern, wie ein Feuerwehrmann unserer Feuerwehr einen wirklich stattgefundenen Einsatz erlebt. Sicher nur ein
Schnipsel aus dem breiten Spektrum welches wir abarbeiten, aber sicherlich genug, um Ihnen mal zu zeigen, was bei uns und in uns abläuft.

„Es ist der Vormittag des ersten Weihnachtstages 2005 und ich bin zusammen mit meiner Frau gerade dabei, das Mittagessen für die gesamte Familie, die in Kürze zu Besuch erscheint, vorzubereiten. Gegen halb Elf löst mein Meldeempfänger aus, leicht aufgeregt warte ich auf die Durchsage, was passiert ist. „Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus am Frensdorfer Ring – Mehrere Personen im Gebäude!“ wird vom Disponenten der Leitstelle mitgeteilt. Eine Meldung, bei der mir klar wird, dass es kein Routineeinsatz ist, sondern bei dem es um Menschenleben und daher um Sekunden geht. Sofort begebe ich mich in mein Auto und mache mich auf den Weg zum rund 2 Kilometer entfernten Feuerwehrhaus. Unterwegs bekomme ich über meinen Meldeempfänger mit, wie der Rettungsdienst samt Notarzt alarmiert wird und der Brandmeister vom Dienst mitteilt, dass er zur Einsatzstelle unterwegs ist.“

Das Feuerwehrhaus in Nordhorn, welches die Kameraden bei
jedem Alarm zunächst anfahren, sich dann umkleiden und
mit dem Feuerwehrfahrzeug ausrücken.

„Am Feuerwehrhaus angekommen sind die Tore schon geöffnet und der eine oder andere Kamerad ist auch schon da. Ich parke mein Fahrzeug und begebe mich umgehend zu meinem Spind, indem meine Einsatzkleidung hängt. Schnellstmöglich ziehe ich mich um, nehme meinen Helm und meinen Sicherheitsgurt in die Hände und finde meinen Platz im TLF16/25, welches nach unserer Alarm- und Ausrückordnung das erste Fahrzeug ist, welches bei einem Feuer ausrückt. Wir warten noch auf zwei weitere Kameraden, dann ist das Fahrzeug voll und los geht es. Unterwegs ziehe ich mich endgültig an und beginne zusammen mit meinem Kollegen, das Atemschutzgerät anzulegen, nebenbei bekomme ich mit, wie die Alarmstufe auf B5 erhöht wird und denke oh man, das wird eine schwere Sache. Der Funkverkehr wird immer belebter, hektischer und dramatischer, weitere Fahrzeuge rücken aus, wir sind bald da. Der Fahrer berichtet schon von Rauchschwaden, die er von weitem erkennen kann und tatsächlich, als wir am Gebäude angekommen sind, quillt dichter Rauch aus dem Gebäude und Flammen schlagen aus der Wohnung.“

Die Einsatzstelle kurz nach Eintreffen der ersten Kräfte. Dichter Rauch quillt aus der Wohnung.
Auf dem Bild in der Mitte, das Treppenhaus durch das wir vorgingen.

„In den oberen Geschossen stehen die Bewohner der anderen Wohnungen auf den Balkonen, sie können nicht mehr durch das Treppenhaus flüchten, da es bereits voller Qualm ist. Mein Kamerad, mit dem ich nun einen Trupp bilde und ich bekommen den Befehl, uns durch das Treppenhaus in die Wohnung über der brennenden vorzuarbeiten und die beiden Personen zu suchen und zu retten, die dort vermisst werden.Wir rüsten uns mit Funk, Wärmebildkamera, Schlauch, Feuerwehraxt, Lampe und Fluchthauben aus und gehen durch den Haupteingang in das Treppenhaus vor. Der Rauch wird immer dichter, schon nach wenigen Metern ist fast nichts mehr zu erkennen. Direkt auf den Stufen robben wir uns hoch, unten ist die Sicht bei starkem Rauch am besten da dieser immer nach oben steigt, es wird heißer und heißer, fast unerträglich. Ohne unsere Schutzkleidung und den Flammschutzhauben, die wir über unseren Köpfen  tragen, wäre ein weiterkommen unmöglich. Wir
erreichen so langsam das erste Obergeschoss und kommen an der Wohnung vorbei in der es brennt. Und ja, man merkt es, da ist richtig Feuer drin ein Knallen und Knistern kommt aus der Wohnung, die Wärmestrahlung wird immer größer, der Putz im Treppenhaus platzt von den Wänden.

Wir geben eine erste Lagemeldung an unseren Gruppenführer ab: „Haben erstes Obergeschoss erreicht – sehen fast nichts – extreme Hitze – Feuer ist noch nicht durch die Wohnungstür durchgebrochen – gehen jetzt weiter in das  2.Obergeschoss.“ Wir robben weiter, sehen so gut wie nichts mehr aber weiter geht es. Schneller als erwartet erreichen wir die beiden Wohnungen, die sich im 2.Obergeschoss befinden. Wir klopfen und schlagen an die Tür, in der die beiden Personen vermutet werden – keine Reaktion, ohne lange zu überlegen brechen wir die Tür auf (Wir bekamen zwischendurch die Information, dass die Leute noch schlafen könnten, da die Rollos noch unten sind). Die Rauchentwicklung ist auch hier schon extrem, jedoch nicht so stark, wie im Treppenhaus, deshalb versuchen wir, so gut es geht, die Tür hinter uns zu schließen um das Eindringen weiteren Rauches zu
verhindern. Langsam pirschen wir uns voran und durchsuchen Raum für Raum, finden aber niemanden. Wir werden nervös, fragen uns, wo sind die Leute ? Der Rauch wird hier jetzt auch dichter und dichter und die Hitze aus der brennenden Wohnung unter uns wird langsam unerträglich.“

Von außen beginnt man mit der Brandbekämpfung. Steckleitern werden zu den Balkonen im 1. und 2.Obergeschoss in Stellung gebracht

„Um uns einen schnellen Rückzugsweg zu sichern, teilen wir den Kräften unten mit, eine Leiter an den Balkon zu stellen, damit wir im Notfall darüber den Rückzug antreten können. Dies sollte sich in Kürze für uns als sehr wichtige und nützliche Entscheidung herausstellen. Wir machen mit der Suche weiter, in den Schränken und unter Betten ( Menschen machen in Panik die unmöglichsten Dinge ) suchen wir und bekommen dann Gott sei Dank die Meldung, dass sich die Bewohner der Wohnung unten gemeldet haben und sich nicht mehr im Haus befinden. Sofort beginnen wir mit dem Rückzug und stellen an der Wohnungstür fest, dass im Flur die Hitze noch extremer geworden ist, die Rauchgase sehr komisch aussehen und eine Durchzündung nicht mehr auszuschließen ist, deshalb gibt es für uns nur noch eines,zurück auf den Balkon und runter über die Leiter.

Beim Abstieg sehen wir, dass zwischenzeitlich weitere Trupps über die Drehleiter und den Balkon mit der Brandbekämpfung begonnen haben. Unten angekommen reißen wir unsere Masken vom Kopf, gehen zu unserem Fahrzeug und halten erstmal unsere Köpfe unter einen Wasserstrahl an einem Ausgang am Wassertank. Nach einer Abkühlung und einem frischen Getränk begeben wir uns dann aus der erweiterten Gefahrenzone und ruhen uns aus. Zwischenzeitlich ist die Brandbekämpfung so weit fortgeschritten, dass keine weitere Gefahr mehr besteht, wenig später ist das Feuer aus und das Gebäude wird umfangreich belüftet.

In der Zeit in der wir uns zur Wohnung vorgearbeitet hatten, haben alle anderen Kameraden über die Drehleiter und die Steckleiter die
auf den Balkonen befindlichen Personen in Sicherheit gebracht und dem Rettungsdienst zur Betreuung übergeben. Insgesamt wurden neun Personen gerettet. Nachdem das Feuer endgültig gelöscht ist, eine Abschlussbesprechung durchgeführt wird und eine Brandwache eingeteilt
ist, treten wir den Rückweg zum Feuerwehrhaus an. Dort füllen wir den Wassertank des Fahrzeuges wieder auf und tauschen das benutzte schmutzige Gerät gegen sauberes aus – kurzum, machten das Fahrzeug wieder einsatzbereit. Nach dem Umkleiden trägt man sich zunächst in eine Liste ein, in der dokumentiert wird, dass man dagewesen ist und auf welchem Fahrzeug man gesessen hat, anschließend gibt es dann noch ein gemeinsames Getränk bei dem mit den anderen Kameraden über den Einsatz und andere Dinge des Alltags geredet wird.

Doch heute bleibt dafür nicht viel Zeit, denn es ist Weihnachten und der Besuch kommt bald, zudem braucht die Frau zuhause Unterstützung bei den Vorbereitungen. Somit mach ich mich schleunigst auf den Weg nach Hause und werde dort von meiner kleinen Tochter in Empfang genommen. Als ich sie in den Arm nehme, wird mir zum ersten Mal bewusst, dass es vor wenigen Minuten durchaus Wahrheit hätte werden können, dass ich diesen Moment nie wieder erleben darf…“