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Geschichte der OF Nordhorn

01. Juni 1885 – Ein Tag, der die Geschichte der Stadt Nordhorn mitprägen sollte, ein Tag an dem das Feuerlöschwesen in dieser Stadt einen geschichtlichen Umbruch vernahm. Was zuvor unorganisiert und unstrukturiert, im Bedarfsfall von irgendwelchen Bürgern übernommen wurde, sollte von dort an durch eine Feuerwehr übernommen werden. Hintergrund dazu war die Neuorganisation des Feuerlöschwesens in ganz Deutschland, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch in unserer Stadt hielt diese Neuordnung Einzug und man benötigte fortan technisch interessierte und möglichst vorgebildete Kräfte zur Bedienung der neuen Feuerlöschgeräte.
Somit war dieser Tag, der 01. Juni im Jahre 1885, der Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr Nordhorn, die als Ortsfeuerwehr Nordhorn am 01.Juni 2010 ihr 125jähriges Bestehen feiern wird.
Damals unglaubliches hat sich in dieser Zeit in allen Feuerwehren Deutschlands getan. Die „Urquelle“, das eigentliche Feuerlöschen ist längst nicht mehr das Hauptaufgabenfeld der Feuerwehr. Viele weitere
Dinge sind hinzugekommen, die hauptsächlich technisch geprägt sind. Die Feuerwehr, übrigens nicht nur in unserer Stadt sondern überall, hat sich zu einer Einrichtung zur Abwehr universeller Gefahren
entwickelt. Neu hinzugekommen sind zum Löschen, somit das Retten, das Bergen und das Schützen. Trotz fast 125jähriger Zeitgeschichte und allen Veränderungen, ist aber eines geblieben, eine Grundidee, die Generationen, Kriege und mehrere Staatsformen überlebte – Nach wie vor stehen Bürger bereit, die sich mit großem Engagement, freiwillig und ehrenamtlich, für ihre Mitmenschen einsetzen, wenn
diese in Not und Gefahr sind. Sie geben sich in einer freiwilligen Verpflichtung zum Dienst an der Gemeinschaft hin.
Über 125 Jahre sind in Nordhorn vergangen, die Anlass geben, darüber nachzudenken, warum eine Organisation, trotz aller Wirren eines mehr als bewegenden Jahrhunderts, noch Bestand hat.
Jedem Bürger wird Hilfe gewährt, ohne Ansehen von Staat und Religion, kein Feuerwehrmann fragt nach klingender Münze, fast unbemerkt versieht er seinen Dienst am Nächsten. Ein Dienst, der ihn das ganze
Leben begleitet – und auf all dies ist er Stolz.
Kommen Sie nun mit, auf eine Zeitreise, zwei Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit, die in der Zukunft, dem 01.Juni 2010 enden wird.
Erstmals in einer offiziellen Schrift wurde das Feuerlöschwesen in unserer Stadt um 1500n.Chr. erwähnt. Nach einem verheerenden Brand, bestimmte die Einwohnerschaft in Nordhorn eine Feuerordnung,
in der Regeln zum Verhalten und Tun im Brandfalle niedergeschrieben waren, einzuführen. Diese hielt lange Zeit an, bis Bischof Ernst-August von Münster, der Vormund des minderjährigen Grafen war, sie am
16.Juli 1742 für aufgehoben erklärte, da sie in Vergessenheit geraten war und somit an Wirkung verloren hatte.
Fast 13 Jahre dauerte es dann, bis die Regierung am 03.März 1755 eine neue, den Zeitverhältnissen angepasste, Brandordnung verfasste. Zum ersten Mal wurde gesetzlich festgeschrieben, das Städte und
Gemeinden für das Feuerlöschwesen verantwortlich sind. Nach einer Ergänzung am 01.November 1791, blieb diese Verordnung bis zum Jahre 1807 gültig.
m 05.September 1807, im Zuge der Freiheitskriege, trat die Feuerordnung des Großherzogtums Berg für die Stadt Nordhorn in Kraft, die am Ende dieser Kriege wieder außer Kraft gesetzt wurde und durch die vom 03.März 1755 ersetzt wurde. Diese wurde am 21.April 1816 nochmals ergänzt und hielt bis zum 31.Dezember 1824. An diesem Tage erschien eine neue Verordnung, die vom Bürgermeister der Stadt
persönlich aufgestellt wurde. Diese neue Feuerordnung wurde allen Spritzenleuten und Gemeinderäten am 30.Dezember 1824 mitgeteilt und sie ging, in Anlehnung an den damaligen Bürgermeister Vincke, als „Vinckesche Feuerordnung“ in die Geschichte der Stadt Nordhorn ein. Städte und Gemeinden im weiten Umkreise nahmen sich diese um Vorbild. Diese neue Feuerordnung hielt in Nordhorn bis zum 26.März 1873, dann trat aufgrund der neuen Polizeiverwaltung, eine neue Löschordnung in Kraft.
Aufgrund der Industrialisierung, die auch vor Nordhorn nicht halt machte, veränderte sich alles. Die Solidarität und Bereitschaft der Bürger anderen Menschen zu helfen und am Feuerlöschwesen teilzunehmen nahm ab. Das Gefühl der Verbundenheit ging verloren. Hinzu kam die Technisierung im Feuerlöschwesen, der Eimer verlor an Bedeutung, neue Spritzen und Gerätschaften kamen auf den Markt und erforderten vorgebildete Kräfte. Alles Vorherige schien sich aufzulösen und man lief Gefahr, dass nicht mehr koordiniert werden konnte und so die Katastrophen ihren Lauf nehmen würden – man hatte Angst ins Mittelalter zurückzufallen.
Somit mussten schnellstmöglich Regelungen und Verordnungen geschaffen werden, um Sicherheit zu gewährleisten und Feuer zu bekämpfen. Diesem nahm sich ein gewisser Amtshauptmann Deym an, der am 18.Juli 1884 ein Schreiben an die Stadt Nordhorn sendete und darin empfahl, eine Freiwillige Feuerwehr einzurichten. Der damalige Bürgermeister Beim beantwortete dieses Schreiben und gab darin an, das die Idee des Amtshauptmanns in Nordhorn sehr begrüßt wurde und man schnellstens einer Freiwillige Feuerwehr in der Stadt Nordhorn ins Leben rufen will. Zuvor traten am 01. August die städtischen Kollegien zusammen, um einer Einrichtung zu beschließen, wenn die Ausgaben für Material keine großen werden und die Anschaffung einer Spritze gewährleistet werden kann.Am 01.Juni 1885 dann wurde das Statut für die Freiwillige Feuerwehr Nordhorn erlassen, 42 Mitglieder traten ihren Dienst an, der Älteste war 39, der Jüngste 19. 1899 war die Zahl schon auf 70 aktive Mitglieder gestiegen, von denen sogar ein Mitgliedsbeitrag von 15 Pfennigen gezahlt wurde. Das war notwendig, da man die im Feuerlöschdienst tätigen Mitglieder selbst ausrüsten musste.
Da das Geld vorn und hinten nicht reichte, stand die Feuerwehr sogar mit Schulden dar. Aus diesem Grunde hielt sich auch die Ausrüstung der Wehr jahrzehntelang in Grenzen. 1899 ist man im Besitz
einer Abprotzspritze mit Saugwerk, einem Wasserkasten und zwei Druckschlauchhähnen. An Schlauchmaterial waren 140 Meter Zubringer und 100 Meter Druckschlauch sowie ein Zubringer vorhanden.
Erst nach dem Ersten Weltkrieg besserte sich die Lage der Feuerwehrerheblich. Nachden Zusammenschlüssen der Freiwilligen Feuerwehr und der im Krieg entstandenen Pflichtfeuerwehr zur
Städtischen Freiwilligen Feuerwehr wurde die Ausrüstung vervollständigt und erneuert. Im Jahre 1926 erhielt man eine Handzugleiter mit 17 Metern Steighöhe. 1929 kam dann die erste Motorspritze
dazu, im selben Jahr bezog man das neue Feuerwehrhaus an der Alten Maate. Das erste Löschgruppenfahrzeug bekam die Wehr kurz vor dem 2.Weltkrieg im Jahre 1938, alsbald folgte ein Zweites
und auch die technische Ausrüstung wurde erweitert. Hinzu kamen Rauchmasken und Kreislaufgeräte, Schaumrohre und andere Spezial-Löschgeräte. 1941 nahm man die vierte Motorspritze in Betrieb, um all
diese auch effizient einsetzen zu können, wurden an den Ufern der Flüsse und Kanälen der Stadt Rampen errichtet, um die Wasserentnahme zu sichern. Weitere Löschteiche und Rampen wurden in Stadtteilen
errichtet, die weiter weg von den Flüssen und Kanälen lagen. Im Laufe des Krieges wurde die Ausrüstung aufgrund der hohen Anforderungen weiter ergänzt und die Ausbildung der daheimgebliebenen erheblich
intensiviert. Als der zweite Weltkrieg endete, war man umfangreich ausgestattet und hatte ein Ausbildung die allen Anforderungen entsprach.

Fahrzeug- und Gerätetechnisch besaß man ein Löschgruppenfahrzeug (LF 15V ) , ein Löschgruppenfahrzeug (LF8), ein Sonderfahrzeug, eine Handzugleiter, eine Tragkraftspritze auf Anhänger,
sowie eine fahrbare Kraftspritze und ein Schlauchboot. Wie oft die Wehr innerhalb des Krieges zum Einsatz kam, lässt sich nicht mehr feststellen, da die meisten Aufzeichnungen in den Wirren des Krieges verloren gingen. Etwas Niedergeschriebenes fand man lediglich aus den Jahren 1898 bis 1915. In dieser Zeit wurde die Nordhorner Feuerwehr zu 26 Brandfällen gerufen.
Die gute Ausrüstung, die man nach Kriegsende besaß, blieb jedoch nicht lange erhalten. Die Besatzungsmächte requirierten das gesamte Gerät, dieBevölkerung nahm sämtliche Kleidungsstücke an sich, zudem waren die Reihen der Kameraden sehr gelichtet, da die meisten in Kriegsgefangenschaft gerieten oder im Krieg gefallen waren. Da dieser Zustand nicht von Dauer sein konnte, lag auf der Hand. So ordneten die Besatzer den Wiederaufbau des Feuerschutzes an, der jedoch von erheblichen Mängeln und Behinderungen begleitet war. Uniformen waren verboten, das Tragen von Stiefeln nicht erwünscht. Kommandos und Ordnungsdienste waren untersagt und Fahrzeuge gab es schon gar nicht.
Trotz allem begann man unverdrossen, mit dem Wiederaufbau. Als erste „Fahrzeuge“ wurden zwei alte Handwagen, zum Transport der Tragkraftspritzen, in Dienst gestellt. Die nötigsten Ausrüstungsgegenstände wurden organisiert, zudem wurde sehr sehr viel improvisiert – der Idealismus, mit dem die Wehr durch die schweren Kriegsjahre getragen wurde, setzte sich wieder durch.
Alte, zu Feuerwehrfahrzeugen umgerüstete, Wehrmachtsfahrzeuge tauchten plötzlich auf, die Beweglichkeit und Schlagkräftigkeit aus den Jahren vor dem Krieg war wieder gegeben. Am 19.März 1949
besaß man 3 Fahrzeuge mit je einem Anhänger. An diesem Tage beschloss man auch die Anschaffung eines neuen Tanklöschfahrzeuges sowie einer neuen Drehleiter. Langsam wuchs auch die Zahl der
Mitglieder wieder an, und so konnte man mit Beginn der Fünfziger Jahre systematisch damit beginnen, eine technisch und organisatorisch angepasste Feuerwehr aufzubauen, den es galt auch, mit dem
rasanten Wachsen der Stadt mitzuhalten. Ein hauptamtlicher Gerätewart wurde eingestellt. Werbeaktionen zur Gewinnung von Nachwuchskräften wurden durchgeführt und trugen
auch sehr bald Erfolg.
Am 17. und 18.September 1955 feierte die Freiwillige Feuerwehr Nordhorn ihr 70jähriges Bestehen. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Wehr fast 60 Mitglieder, denen ein Tanklöschfahrzeug (TLF15), ein
Löschgruppenfahrzeug (LF8), zwei Spezialfahrzeuge für Sondereinsätze, zwei Tragkraftspritzen mit Anhänger sowie ein Schlauchboot dabei halfen, die bei den Einsätzen gestellten Aufgaben zu bewältigen.
Tage, Monate und Jahre nach dem Krieg vergingen und man hatte eine ausgezeichnet ausgestattete Wehr beisammen, die den Schutz der Stadt Nordhorn gewährleisten konnte.
Im Jahre 1965 wurde der Fahrzeugbestand noch um einen Mannschaftstransportwagen erweitert und auch die allgemeine Ausrüstung wurde erheblich ergänzt. Aber nicht allein die Ausrüstung und
Ausstattung wuchs.
Die Feuerlöschmethoden nahmen in dieser Zeit einen erheblichen Wandel vor, somit war es erforderlich, das man noch mehr Personal bekam und es auf die neuen Gegebenheiten in strategischer und
technischer Hinsicht ausbildete.
Beim 90jährigen Jubiläum im Jahre 1975 zählte die Ortsfeuerwehr Nordhorn, die nun zusammen mit der Ortsfeuerwehr Brandlecht, die Freiwillige Feuerwehr Nordhorn bildete, 75 aktive Mitglieder im Alter von 19 bis 65 Jahren. Weiterhin gehörten der zwischenzeitlich gegründeten Jugendfeuerwehr 26 Jugendliche an. Der Alters- und Ehrenabteilung waren 15 Kameraden beigetreten, die das Dienstalter von 65 Jahren
überschritten hatten.

In den Jahren von 1965 bis 1975 wurde der Fahrzeugpark erheblich modernisiert, so dass man der Bevölkerung am Jubiläumstag zu den bisher bestehenden Fahrzeugen eine neue Drehleiter (DL30H), ein Trockentanklöschfahrzeug (TroTLF16) sowie ein Löschgruppenfahrzeug (LF16TS) präsentieren konnte. Zudem erhielt man im Jahre 1975 noch ein neues Mehrzweckfahrzeug.
Grundsätzlich bedeutete das 90jährige Bestehen einen Wendepunkt in der Geschichte der Wehr, man war hervorragend ausgestattet und ausgerüstet, zudem besaß man eine hoch motivierte Mannschaft,
alle Kameraden waren perfekt, auf dem neuesten Stand der Technik, ausgebildet. Hinzu kam, dass man fortan nicht mehr über die Sirenen in der Stadt alarmieren musste – es wurden Funkmeldeempfänger
zur „Stillen Alarmierung“ angeschafft. Dies alles war das Fundament, auf denen die Nächsten 35 Jahre, bis hin zum Jubiläum im Jahre 2010, aufgebaut wurden und natürlich immer noch werden. Die Wehr und ihre Ausstattung wuchsen weiter. So erhielt man im Jahre 1978 ein neues allradgetriebenes Löschgruppenfahrzeug (LF8), im Jahre 1981 kam ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 mit 3000 Litern
Fassungsvermögen hinzu. Als erst Wehr im gesamten Landkreis erhielt man, noch vor dem TLF16/25, im Jahre 1980 eine Rüstwagen, der mit vielfältigem und hochwertigen Gerät ausgestattet war und im
gesamten Umland seines Gleichen suchte. Die Kosten dafür lagen damals bei 250.000 Mark also rund 125.000 Euro.
Einen weiteren Meilenstein in Ihrer Geschichte erreichte die Ortsfeuerwehr Nordhorn am 27.Juli 1980. An diesem Tage wurde das neue Feuerwehrhaus an der Wietmarscher Straße bezogen. Wie notwendig dieses
Haus war, zeigte sich daran, dass der damalige Bürgermeister der Stadt Herr Opolony schon 1959 auf die Museumsreife des alten Feuerwehrhauses an der Alten Maate angesprochen wurde. Bei seiner
Antrittsrede im Dezember 1961 bezeichnete es der neue Stadtbrandmeister Paul Prinz als den größten Wunsch der Nordhorner Wehr, bald ein neues Domizil beziehen zu können. Das dieses noch fast 20 Jahre
dauern würde, erahnte damals niemand.

Man tat alles, um eine schnelle Lösung herbeizuführen, denn die Zustände an der Alten Maate waren nahezu unerträglich. Im Januar 1962 übergab man ein selbstgebautes Gerätehausmodell als Hinweis bei der Stadtverwaltung auf den lang ersehnten Wunsch und als stete Mahnung an den damaligen Bürgermeister Eberhard Liese. Im August 1964 wurde dem Rat der Stadt Nordhorn eine Resolution zur Kenntnis gebracht, mit der auf die katastrophalen Zustände im Gerätehaus erinnert und in der gebeten wurde, das Problem schnellstmöglich zu lösen. In den Folgejahren beschäftigte dieses Thema immer wieder die Kommunalpolitik, bis endlich 1976 ein Beschluss gefasst wurde, ein neues Feuerwehrhaus zu bauen. Im April 1978 legte jedoch die CDU-Fraktion ihr Veto dagegen ein, da der gewählte Standort an der Nordhorner Bachstraße nicht geeignet sei. Zwar bau man unmittelbar neben der Feuerwehrtechnischen Zentrale, jedoch mitten in einem Wohngebiet. Auch die beengten Fahrbahnverhältnisse seien nicht geeignet für ein reibungsloses Ausrücken der Feuerwehr.
Zudem wurde für alle Kameraden im Jubiläumsjahr die persönliche Schutzausrüstung, sowie die Dienstkleidung komplettiert. Mit großen Schritten ging es dann weiter in die „Neuzeit“. Diese hatte
geschichtlich gesehen, dann aber nicht mehr so viel turbulentes zu bieten wie die Jahrzehnte zuvor. Der Wandel war gemacht, nun hieß es, den Stand zu halten und weiter zu verbessern.
Es wurden weitere neue Kameraden aufgenommen, da man den Personalbestand von aktuell etwas über einhundert auf über hundert bringen wollte. Zudem sollte die Jugendarbeit verstärk werden. Die
Jugendfeuerwehr erhielt zusätzliche Ausbilder, damit man auch hier an Personal aufstocken konnte und somit einen sicheren Unterbau und keine Nachwuchssorgen hatte. Wesentlicher Bestandteil
der kommenden Jahre, war die Modernisierung der Einsatzfahrzeuge, von denen doch einige in die Jahre gekommen sind.
Zudem kamen neue Aufgaben auf die Feuerwehr zu. Der Bereich zur Abwehr und Bekämpfung atomarer, biologischer und chemischer Gefahren war völliges Neuland für die Feuerwehren und somit auch für die
Nordhorner Wehr. Bezüglich dessen, rüstete man schon frühzeitig das alte LF16 zu einem GWUmweltschutz um. Um den Ansprüchen gerecht zu werden, war dies allerdings nur ein Behelf. Als man im Jahre 1992 einen spezielle Gruppe zur Bekämpfung dieser Gefahren einrichtete und sie entsprechend schulte, stellte man dann auch sehr schnell zwei Spezialfahrzeuge in Dienst, die den Fahrzeugpark
erweiterten.
In den Folgetagen dieses Einwandes gab es innerhalb des Rates heftigste Diskussionen, jedoch war man sich einig, dass man umgehend einen neuen Standort finden musste. Passieren tat allerdings nicht, im
Gegenteil, die Lage spitze sich dramatisch zu.
Das Ortskommando befasste sich mit der Standortfrage und sprach sich für den Standort an der Bachstraße aus. Ferner schrieb man am 19.April 1978 an den Stadtdirektor, dass man aufgrund der aktuellen Zustände nicht mehr in der Lage sei, allen Bewohner der Stadt einen gleich guten Feuerschutz zu gewähren.
2 Tage später entschied sich der Rat der Stadt Nordhorn für die Ansiedlung eines neuen Kaufhauses in der Innenstadt. Für diesen Neubau müsse das alte Feuerwehrhaus an der Alten Maate weichen. Man
beschloss somit einen Abriss, ohne zuvor die Standortfrage eines neuen Feuerwehrhauses geklärt zu haben. Zwar wurde auf eine Lösung gedrängt, jedoch fasste man keinen Beschluss im Rat.
Feuerwehrmitglieder brachten ihre Enttäuschung durch Leserbriefe zum Ausdruck und schlossen einen Streik nicht aus. Weitere heftige Proteste folgten. Orts- und Stadtbrandmeister lehnten gar für den Alarmfall jegliche Verantwortung für Einsatzbeeinträchtigungen ab.
Am 17.Juli 1978 war es dann endlich so weit, der Verwaltungssausschuss teilt mit, dass ein neuer Standort gefunden sei. Auf einem 7000qm großen Grundstück an der Wietmarscher Straße könne nun
gebaut werden.
Unter Protest zog man nun in eine provisorische Unterkunft im Nordhorner Gewerbe- und Industriepark um, bis der Neubau bezugsfertig war.
Der Baubeginn erfolgte dann am 14.April 1979, das Richtfest feierte man am 13.November dieses Jahres. Am Mittwoch den 4. Juni 1980 dann bezogen die Kameraden das 1500qm und 11 Einstellboxen
umfassende Feuerwehrhaus.
Am 27.Juli fand die offizielle Übergabe unter großer Beteiligung statt. Bürgermeister Cornelius Gemmeker übergab den Schlüssel an den Stadtbrandmeister Hermann Mannsbrügge, der die Ansicht vertrat, dass
die 2,7 Millionen Mark teure Unterkunft auch noch im Jahr 2000 den Ansprüchen der Wehr gerecht würde. Das er damit damals den maximalen Zeitpunkt nannte, konnte selbst er nicht ahnen.
Wie notwendig die Weiterentwicklung, mit dem neuen Feuerwehrhaus und modernster Fahrzeugtechnik war, zeigt auch die Einsatzstatistik der letzten Jahre. Waren es 1975 noch 70 Einsätze, so musste man
1982 schon über einhundert Mal ausrücken – Tendenz in den Folgejahren weiter steigend.
1985 im Jahr des 100jährigen Bestehens der Wehr, lagen ereignisreiche Zehn Jahre hinter den Kameraden. Nach dem kompletten Wandel im Jahr 1975, in dem man den Grundstein für das noch heute Bestehende legte, folgten bis 1985 Ereignis- und Einsatzreiche Jahre, in denen viele Großbrände zu verzeichnen waren, zu deren Bekämpfung man auch die entsprechende Ausrüstung, Mannschaft und Ausbildung brauchte, all dies wuchs bis 1985 kontinuierlich mit. Am Tag der Jubiläumsfeierlichkeiten zählte die Wehr 91 aktive Feuerwehrleute, neun in der Alters- und Ehrenabteilung sowie 16 Jugendliche in der Jugendfeuerwehr.
Neben dem neuen Feuerwehrhaus war man im Jahre 1985 auch technisch auf dem neuesten Stand.
Ein sehr umfangreich beladener Gerätewagen Gefahrgut kam noch im selben Jahr der Gründung dieser Spezialgruppe hinzu, im Folgejahr stellte man noch einen Gerätewagen Messtechnik in Dienst. Mit
diesem neuen Aufgabengebiet stiegen natürlich auch die Einsatzzahlen rapide an. Gefahrgutunfälle jeglicher Art kamen hinzu. Im Jahr 1993 überschritt man zum ersten Mal die Zahl 200 bei den Einsätzen.
Bei diesen waren einige Spektakuläre sowie viele Großeinsätze dabei, es ging in die neuere Geschichte ein, als das Jahr, das alles bisher dagewesenes übertraf. Ein Einsatz folgte dem anderen – der fast
komplette Dachstuhl des Marienkrankenhauses wurde ein Raub der Flammen – eine große Autowerkstatt im Gewerbe- und Industriegebiet brannte vollständig aus – ein Gasexplosion hielt die Rettungskräfte ein ganzes Wochenende in Atem – und vieles vieles mehr geschah in diesem Jahr.
Somit erkannten Bürger und die Verantwortlichen der Stadt, wie wichtig ihre Feuerwehr überhaupt ist und was sie alles zu leisten im Stande ist. Die Folge war, dass man fortan eine sehr gute Verbindung zu den
Entscheidungsträger bei der Stadt Nordhorn hatte und das man erheblich am Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit arbeitete. Die Dokumentation von Einsätzen wurde intensiviert und es wurde nach und nach ein Bilderarchiv aufgebaut, dass heute seines Gleichen sucht.
Der Fahrzeugbestand wurde weiter modernisiert. 1996 wurde das TLF16/25 erneuert, 1998 das MTF und im Jahr 1999 schuf man mit der Anschaffung eines ELW 2 einen neuen Aufgabenbereich für die Nordhorner Feuerwehr – die Ausbildung in der technischen Einsatzleitung wurde forciert und die Gruppe wurde bis zum heutigen Tage stets erweitert und bildet aktuell eine eigene Einheit. Die Feuerwehr ihre Aufgaben und ihr Umfeld wuchsen aber immer weiter. Auf dem Gelände neben dem Feuerwehrhaus entstand die neue Feuerwehrtechnische Zentrale zudem erhielt man zusätzliche Ausbildungsflächen, die aber leider bis heute nur bedingt nutzbar sind, da sich die Verantwortlichen des Landkreises bisher dagegen ausgesprochen haben, diese Fläche zu einer ausreichend nutzbaren Ausbildungsfläche auszubauen. Seitens der Stadt Nordhorn hat man durchaus Bereitschaft gezeigt, diese fast 5000qm große und nahezu ungenutzte Fläche herzurichten, sogar die finanziellen Mittel standen bereit.

Zu vergessen in in der Historie natürlich nicht die Partnerschaft zu unseren unmittelbaren Nachbarn in den Niederlanden. Nicht zuletzt ist die gute Freundschaft ein Verdienst von Martien Oude
Doubbelink der unglaublich viel für die sehr guten Beziehungen zwischen der Nordhorner und der Denekamper Wehr auf niederländischer Seite getan hat. Aber nicht allein das, er war es, der es letztlich möglich machte, dass erstmals eine deutsche Wettbewerbsgruppe in den Niederlanden antreten durfte, was in der Presse jenseits der Grenze als riesen Erfolg gefeiert wurde. Aber auch sonst arbeitet man in jeder Hinsicht erfolgreich zusammen, sei es bei Einsätzen oder auch einfach im alltäglichen Bereich. Die Kommunikation in die Niederlande läuft einwandfrei und natürlich ist es auch umgekehrt so. Aktuell wird sogar an einem Konzept zur gemeinsamen Alarmierung bei Einsätzen im Grenzgebiet gearbeitet.